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Ich

wer sonst.

der wind peitscht,
die kräfte zerren,
wollen brechen.

der baum wankt,
sträubt sich innerlich,
will bestehen.

andere bäume brachen,
hielten nicht stand,
liegen darnieder.

von allen seiten,
drängen die kräfte,
zur norm.

wollen ihn brechen,
mögen keine abweichung,
keine veränderung.

subtil indirekt,
als spaß verpackt,
gib nach.

still heimlich,
hinter dem rücken,
flüstern stimmen.

anders füttert angst,
stellt in frage,
stört ruhe.

anders zeigt auf,
was möglich wäre,
braucht mut.

der baum steht,
trotz gegenwind,
bleibt treu.

kann nicht anders,
ich bin ich,
wer sonst.

erläuterungen zu wer sonst.

der mensch erlebt in seiner gesellschaft, in der großen oder in der kleinen gesellschaft (wie familie, freunde), oft das ziehen und zerren, sie zehren an einem. sie wirken auf jeden ein: bleibe innerhalb unserer erwartungen, bricht nicht aus. wer ausgebrochen ist, soll reuig zurück kommen. notfalls wird er gebrochen.

das wirkt auf den indivudalisten, der seinen weg gehen will. er wankt, er zaudert, er hadert. innerlich bewegt es ihn, selbst wenn es äußerlich nicht so scheint. er wägt ab, zweifelt und hadert. doch er fühlt den wunsch zu bestehen, so zu sein, wie er sein möchte.

er sieht andere menschen, die gebrochen sind, die nachgaben, sich selbst aufgaben, ihre seele verkauften. der druck war für sie zu stark. heute tragen sie masken, spielen das spiel mit und ihre zerfressenheit macht sie zu den eifrigsten verteidiger des status quo.

der seinen weg geht, bekommt den gegenwind des umfeldes immer mehr zu spüren. hohn, spott, abwertungen an der tagesordnung. kleine sticheleien, als späße verkauft. unsicherheit macht sich umfeld breit. die abweichung wird zu gefahr, zur gefahr für die norm.

gefahr macht angst. angst führt zur nächsten stufe. ausgrenzung. massive abwertungen. krankheiten werden zugewiesen. erklärungen werden gesucht. bezeichnungen werden vergeben. therapien empfohlen. alle tun alles, um die abweichung glatt zu bügeln. alle tun alles, um eine dauerhafte veränderung zu verhindern. gute ratschläge schlagen ein.

zuerst verdeckt, durch die blume. von denen, die es gut meinen. von denen, die es doch nur tun, um schaden abzuwenden. erste drohungen, erste konsequenzen. zuerst für den abweichler, dann für seine familie, die kinder. die stimmen werden lauter. hört auf abzuweichen, höre auf deinen weg zu gehen. gehe den weg, den wir für dich vorgesehen haben.

sie reden über dich. das erfährst du nicht. hast du schon gesehen. nein. doch. unglaublich. sie sagen es dir nicht offen ins gesicht, sondern flüstern über dich. du betritts den raum, die stimmen verstummen. doch du kannst es spüren.

du machst ihnen angst. du stellst sie in frage, obwohl du das nicht willst. willst doch nur sein, wie du bist. du störst die gemütliche ruhe, die komfortzone von allen. du stellt fragen, die sich keiner stellen will. du zeigst auf, dass es anders geht. doch anders stört die ruhe, anders wollen nur wenige.

alte, lange eingeredete glaubenssätze werden in frage gestellt. dinge, die bisher nicht besprechbar waren, kommen ans tageslicht. damit will sich keiner auseinandersetzen, keiner will sich rechtfertigen. keiner will sich eingestehen, einem falschen götzen nachgelaufen zu sein. keiner will seine leichtgläubigkeit zugeben. selbst wenn das andere tief im innersten für andere erstrebenswert wäre, halten diese lieber am status fest. oft fehlt mut, es zu tun. die angst ist größer als der mut.

der mensch steht immer noch fest. er wackelt, aber er fällt nicht. der gegenwind zeigt ihm seinen weg. hin zu neuen wiesen, zu neuen förderlichen winden. er bleibt sich treu, indem er sich verändert.

wie soll er auch anders. er ist der baum, der er ist. der baum, der sich verwicklichen will. der leben will, so wie er es für richtig hält.

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